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Peru

Sonnentempel und Bergterrassen: Machu Picchu

Blick auf Machu Picchu

Oder: Zeitreise ins 15. Jahrhundert

Liebe Leserschaft,

was ist das Erste, was euch einfällt, wenn ihr an Peru denkt? (…Außer dass euer Lieblingsreiseblog derzeit von dort aus geschrieben wird, höhö?) Bei vielen mag die Antwort sein: Machu Picchu, die Inkaruine schlechthin, bekannteste Attraktion des Landes und ein irgendwie mitunter sagenumwobener Ort.

Auch auf der Reise meiner Schwester und mir durfte Machu Picchu nicht fehlen. Geschichte finde ich immer spannend, Ruinen sind sowieso cool und irgendwie war auch eine meiner Assoziationen beim Wort „Peru“ immer diese archäologische Stätte. Auch bei meiner Schwester stand Machu Picchu ganz oben auf der Peruwunschliste. Also nichts wie hin.

 

Ein Wort zur Geschichte

Ihr kennt es: Ohne Historisches kommt dieser Blog manchmal nicht aus. Natürlich möchte ich euch, werte Leserschaft, nicht mit Jahreszahlen überfrachten, aber wenn man sich in Bezug auf Machu Picchu eine Zahl merkt, dann folgende: 15. Denn im 15. Jahrhundert wurde unter dem Inka Pachacutec, der von 1438-1478 regierte, Machu Picchu gebaut. 15 ist eine schöne, leicht merkbare Zahl – 15 Minuten bilden eine Viertelstunde, 15 Jahre sind Latinas bei ihrer quinceañera alt, 15 Finger sind (in aller Regel) an drei Händen zu finden.

Aber ich schweife ab. Mit diesem neuen Wissen im Gepäck schauen wir nun mal, wer eigentlich die Inka waren.

Die Inka herrschten vom 13. bis 16. Jahrhundert in Südamerika über ein sehr großes Reich, das sich zum Zeitpunkt seiner weitesten Ausdehnung vom Süden des heutigen Kolumbien bis in die Mitte des heutigen Chile streckte. Die Hauptstadt des Inkareiches war Cusco.

Aber nicht nur militärisch waren die Inka stark. Ihr großes Reich erforderte ein ausgefeiltes Verwaltungssystem und auch ein weit ausgebautes Straßennetz. Besonders interessant finde ich die Chaski genannten Boten, die auf diesen Straßen Nachrichten und mitunter Güter durch das Reich trugen, unter z.T. zehrenden klimatischen Bedingungen und in extremen Höhenlagen. Sie waren körperlich sehr fit, beherrschten Kampfkunst und konnten Quipu lesen, die Texte in der Knotenschrift der Inka also.

Ein Quipu. (Quelle: Wikimedia / Meyers Konversationslexikon. Gemeinfrei)

Die Architektur der Inka ist auch echt spannend. Ein bisschen Erwähnung fand es ja schon im Artikel über Cusco, aber um nur mal ein paar Beispiele zu nennen: Tempel, Paläste, besagte Straßen, landwirtschaftliche Terrassen, manches davon erdbebenresistent (!). Und eben Machu Picchu.

 

Aufbau von Machu Picchu

Bei allen Spekulationen um Machu Picchu gilt es als recht sicher, dass es sich um eine Stadt handelte, die sich grob in zwei Hälften teilte: eine Agrarzone und ein Wohn- und Handelsgebiet. In ersterem Teil finden sich Terrassen zum Anbau von Getreide, die auch mit dem entsprechenden Abwassersystem versehen waren. Weitere Terrassen stabilisierten die andere Hälfte der Stadt, was durch die Lage in den Bergen erforderlich war, die Abhänge und so.

Blick auf landwirtschaftliche Terrassen Machu Picchus.

Diese Hälfte der Stadt ist mindestens genauso spannend wie die landwirtschaftliche. Hier stehen nicht nur Reste von Wohnhäusern, sondern auch von Tempeln, Bädern und Geschäften

Von hoher Bedeutung war der Tempel für den Sonnengott. Dieser Gott hieß Inti und war die höchste Gottheit der Inka. Eines der Fenster des Tempels ist so ausgerichtet, dass es bei der Sommersonnenwende den Sonnenaufgang genau einfängt. (Überhaupt betrieben die Inka viel und ausgefeilte Astronomie).

In der Nähe des Sonnentempels befindet sich ein Intihuatana, ein Stein, der als Sonnenuhr diente und mittels dessen die Inka Sonnenwenden voraussagten. Den spanischen Eroberern galten Steine dieser Art als Blasphemie, weshalb sie sie an anderen Orten im Reich der Inka zerstörten. Doch da sie Machu Picchu nie betraten, ist er hier erhalten geblieben.

Ein weiteres Highlight ist der Tempel der drei Fenster. Wie bei so vielem in Machu Picchu ist die genaue Funktion des Tempels nicht bekannt, und die Anzahl der Fenster ist aus der Sicht numerischer Mystik der Inka eher untypisch. Bei den Inka war das Prinzip der Dualität von zentraler Bedeutung, also die Gegensätzlichkeit und zugleich Komplementarität zweier Teile, z.B. Sonne und Mond, Mann und Frau. (Meine innere Sinologin kommt nicht umhin, gewisse Parallelen zum Yin und Yang aus China zu erkennen). Doch auch die Drei war nicht ganz unbedeutend, am wichtigsten verkörpert in den drei Welten Himmel, Erde und Unterwelt, jeweils vertreten durch ein Tier: Kondor, Puma und Schlange. Möglicherweise bezieht sich der Tempel der drei Fenster auf dieses Konzept.

Überhaupt ist vieles in Machu Picchu und allgemein an den Inka sagenumwoben und manches verliert sich irgendwie aus heutiger Perspektive im Nebel der Geschichte. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass die Schrift der Inka (Quipu, von der bereits die Rede war, sowie Tokapu, die als eine Art Teppich geknüpft wurden) heute größtenteils nicht mehr gelesen werden kann und somit wichtige Quellen nicht zugänglich sind.

Blick auf Machu Picchu

Fragen über Fragen tun sich auf: Welchem Zweck diente Machu Picchu – war es eine Stadt, eine Sommerresidenz, eine Universität gar? Warum verließen die Inka die Stadt – aus Furcht vor einer bevorstehenden Invasion durch die Spanier oder starben sie an einer Krankheit, die diese in Peru eingeschleppt hatten, noch ehe die Spanier selbst einen Fuß in Machu Picchu setzten? Und überhaupt, warum kamen die Spanier nie dorthin? Wie schafften die Inka den Bau dieser gigantischen Stadt ohne Lastentiere, ohne Räder? Und: War die Stadt überhaupt fertig? Einige Gebäude deuten darauf hin, dass Machu Picchu sich noch im Bau befand. (Kommentar Reiseleiter: „When are cities ever really finished?“ Wo er Recht hat.) Noch eine spannende Frage: Wir reden immer ganz selbstverständlich von Machu Picchu, aber wie hieß die Stadt eigentlich ursprünglich? Machu Picchu bedeutet auf Quechua Alter Berg, eine Bezeichnung, die die Menschen der Umgebung den Ruinen später gaben.

…Was mich zu einem weiteren wichtigen Punkt führt: Machu Picchu wurde nie entdeckt. Denn die Stadt war nie verloren, sie war nur einfach nicht von Interesse, bestand sie doch lange nur aus Steinblöcken und Unkraut. Ins Licht der (westlichen) Öffentlichkeit rückte sie der amerikanische Archäologe Hiram Bingham, der sie 1911/12 besuchte und mit ihrer Erforschung begann.

 

Besuchserlebnis

Was man heute von Machu Picchu sieht, ist zwar Material im Original. Jedoch wurden die Gebäude wieder aufgebaut, um Besuchern einen Eindruck des Ortes zu vermitteln. Der Anblick, der sich also 1911 Hiram Bingham bot, unterscheidet sich deutlich von dem heutigen.

Je nachdem, wo man sich bewegt, kann man sich das Leben in Machu Picchu und irgendwie auch im Inkareich ein bisschen vorstellen. Irgendwie ist die Überlegung faszinierend, dass auf den gleichen Straßen, auf denen man durch Machu Picchu geht, vor Jahrhunderten die Inka liefen, um ein Feld zu bestellen oder einer religiösen Zeremonie beizuwohnen. Oder dass man Zimmer betritt, in denen in Inkazeiten Menschen lebten. Was sie wohl dachten? Was ihnen wohl wichtig war? Machu Picchu zieht auch gelegentlich Mystiker an, und ein bisschen verstehen kann ich es schon.

Touripfade sind meist gut als solche zu erkennen

Allzu weit her mit der Mystik ist es dann aber auch nicht mehr, wenn man sich die Touristenströme Machu Picchus ansieht, denn ja, die Ruinen sind stellenweise durchaus voll. Gleichzeitig hatte ich es mir aber noch schlimmer ausgemalt – vielleicht haben wir auch einfach einen guten Tag erwischt. Seit 2011 gibt es besondere Regeln zum Besuch von Machu Picchu, die die maximale Besucherzahl auf 2500 pro Tag begrenzen, eine Reservierung vorab vorschreiben und jedem Besucher eine Uhrzeit nennen, zu der er Einlass erhält.

 

Organisatorisches

Im Prinzip hat man zwei Optionen zur Anreise nach Machu Picchu: Man kann von Cusco aus mit Bus, Zug und wieder Bus zu den Ruinen fahren, oder aber man kann sich in Aguas Calientes, der Stadt am Fuße Machu Picchus einquartieren, und den Besuch von dort aus starten.

Ich denke, beide Herangehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile, die man für sich selber abwägen muss. Wer die Tour von Cusco aus macht, hat eine durchaus beschwerliche An- und Abreise zu überstehen, verbunden mit einem Tag, um drei Uhr morgens beginnt. Wer von Aguas Calientes aus startet, kann sich da ein paar mehr Stunden Schlaf zur Erklimmung der Ruinen gönnen. Andererseits sind Wechsel der Unterkunft tendenziell immer umständlich, und Cusco als Basis zu haben, ist auf gewisse Weise auch ganz geschickt. Letztlich muss man sich damit anfreunden, dass Machu Picchu von Cusco aus nicht gerade um die Ecke ist und man entsprechende Logistik in Kauf nehmen muss. Aber es lohnt sich.

Das ist überhaupt so eine Frage – Touris noch und nöcher, nächtliches Aufstehen, teure Tickets – lohnt sich das überhaupt? Meiner Meinung nach ja. Aber wer sich so gar nicht für Geschichte interessiert oder Ruinen einfach gar nichts abgewinnen kann, von anderen Touristen scharenweise besuchten obendrein, sollte sich den Ausflug gut überlegen. Es ist immer legitim, nein zu sogenannten Tourismus-Highlights zu sagen. Aber ich habe ja gesagt und fand es richtig schön dort.

 

Ihr Lieben, wäre Machu Picchu etwas für euch? Wart ihr schonmal dort? Und wie steht ihr zu den Must-sees der Welt – besucht ihr sie auch trotz vieler Mittouristen?

Eure warmes Wetter genießende Charlotte

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